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19-05-17
Rubrik: Pressebericht, SPD-Breisach
Weggang mit ein bisschen Wehmut

Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Gernot Erler kam zum Abschiedsgespräch ins Breisacher Rathaus.


Der scheidende SPD-Bundestagsabgeordnete Gernot Erler (Vierter von links) absolvierte seinen Abschiedsbesuch beim Breisacher Bürgermeister Oliver Rein (Dritter von links). Außerdem auf dem Foto (von links): Bundestagskandidat Julien Bender, Kreisvorstandsmitglied Bilge Gecer sowie Lothar Menges und Frank Kreutner vom SPD-Ortsverein Breisach. Foto: Julius Steckmeister

BREISACH. Seit 1987 ist Gernot Erler Mitglied des Bundestages. In dieser Funktion hat er auch die Entwicklung der Stadt Breisach drei Jahrzehnte lang begleitet und an wichtigen Weichenstellungen für die Europastadt seinen Anteil. Nun kam der SPD-Politiker in Begleitung seines designierten Nachfolgers Julien Bender und von SPD-Kreisverbandsvorstandsmitglied Bilge Gecer auf Einladung von Bürgermeister Oliver Rein zum Abschiednehmen im kleinen Kreis.

Sieben Punkte für die Stadt

"Ich habe Sie eingeladen, um Danke zu sagen", begrüßte der Bürgermeister den Bundestagsabgeordneten. Drei Jahrzehnte im Amt, das sei unfassbar. "Das ist schon lebenslänglich", scherzte das Stadtoberhaupt. Sieben Meilensteine, teils bereits bewältigte, teils solche, die noch unter den Nägeln brennen, wollte Rein dem scheidenden Spitzenpolitiker mit auf den Weg geben.

Rein dankte Erler zum einen für die Unterstützung bei der Verlegung der Tapetenfabrik Erismann vom Zentrum an den Stadtrand Anfang der 1990er Jahre. Ebenfalls ein Dankeschön gab es für Erlers Fürsprache für den Grundstückstausch mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt im Jahr 2010. Weitere Fürsprache bei der Bundesbehörde wünschte sich Rein beispielsweise in Sachen Verlegung der Kreuzfahrtschiffsanleger. "1000 Schiffe kommen im Jahr nach Breisach, das ist toll, aber auch ein Problem für die Infrastruktur", so der Bürgermeister.

Als "unerträglich" bezeichnete er das Verhalten des Landesverkehrsministeriums in Sachen Weiterbau der B 31 West. "Es gibt eine Weisung des Bundes, den Bau umzusetzen", stellte Rein die Hierarchien klar. Hilfe von Erler wünschte er sich auch auf dem Weg zum Unesco-Weltkulturerbe.

Derzeit laufe der Antrag, Breisach in das "Netzwerk Vauban" einzubinden. "Legen sie ein gutes Wort in Berlin für uns ein", bat Rein. Ebenfalls Kummer bereiteten dem Bürgermeister die exorbitant angestiegenen Beiträge für die Berufshaftpflichtversicherung von Hebammen sowie die seit langem geforderte und stets aufs neue verschobene Schließung des AKW im französischen Fessenheim.

"Ich danke ihnen für die tolle Unterstützung. Sie sind Vorbild und Beispiel für einen aktiven Politiker, und ich glaube, sie mögen diese Stadt", schloss der Bürgermeister seine Ausführungen.

Acht Mal vor Ort in Breisach

Auch Erler wollte sich zunächst bedanken – für die "große Kontinuität guter Zusammenarbeit" ebenso, wie für "faire und sachorientierte Gespräche". Allein acht Vororttage habe er in Breisach verbracht und fast in jedem Jahr die Festspiele sowie das Weinfest besucht, berichtete Erler.

Der Bundespolitiker hatte ebenfalls "sieben Dauerbrenner" mit ins Rathaus gebracht. Er unterstrich die besondere Rolle der Stadt in puncto deutsch-französische Zusammenarbeit ebenso wie die jüdische Vergangenheit Breisachs, wo mit den Vereinen "Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus" und "Für die Zukunft lernen – Kinderbaracke Auschwitz" wertvolle Arbeit gegen das Vergessen geleistet werde.

"Wir werden nicht locker lassen", versprach Erler in Sachen Fessenheim. "Es muss einen Weg geben, Verkehrsbedürfnisse und Naturschutz unter einen Hut zu bringen", zeigte er sich in Sachen B 31 West zuversichtlich. "Ihre Argumente haben mich immer überzeugt", machte Erler seinen Standpunkt auf der Seite der Stadt Breisach beim Thema Retention deutlich.

"Tolles Engagement" bescheinigte er der Stadt und insbesondere ihren Bürgern bei der Flüchtlingsaufnahme und -integration. "Da komme ich jedes Jahr gerne hin", so der Bundestagsabgeordnete über den Besuch von Weinfest und Festspielen. Des Weiteren verbinde ihn das Gedenken an Julius Leber, dessen Andenken die gleichnamige Schule bis heute beeindruckend ehre, sehr stark mit der Stadt. "Toll, dass das Hotel Stadt Breisach weiterlebt und spannend, was mit Marktplatz und Stadthalle passiert", blickte Erler in die unmittelbare Gegenwart und nahe Zukunft. Abschließend erinnerte Erler an die Jahre 1996 und 1997, als der Abzug des französischen Militärs mit rund 2000 Personen die Stadt Breisach vor gewaltige Herausforderungen stellte.

"Vielleicht die größte Herausforderung der letzten 50 Jahre", bestätigte Bürgermeister Rein, bevor gemeinsam mit dem Breisacher SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Lothar Menges und dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Stadtrat, Frank Kreutner, auf den langen gemeinsamen Weg angestoßen wurde.